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Artikel über Oestricher Kran (Rheingau)
Der Oestricher Kran, auch Alter Rheinkran in Oestrich-Winkel im Rheingau (Hessen) ist ein barocker Landkran aus Holz, der vorwiegend zur Verladung von Weinfässern, aber auch für andere Güter (Baumstämme) auf Rheinschiffe eingesetzt wurde.
Der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein genehmigte die Errichtung eines Landkrans in Oestrich, nachdem am 14. April 1744 der Landschreiber Heyntzmann der erzbischöflichen Hofkammer zu Mainz den schlechten Zustand des dortigen alten Schwimmkrans meldete. Er empfahl den Bau eines landgestützten Krans am Rheinufer, da ein Landkran sicherer (keine Schaukelbewegungen), weitgehend unabhängig vom Wasserstand und langlebiger als ein neuer Schwimmkran sei. Im selben Monat wurde mit dem Kranbau begonnen, dazu parallel mit der Aufführung des notwendigen Kais. Der Bau der Kaimauer und ihre über 1,50 m tiefen Fundamente wurden aus den übrigen Steinen des Mainzer Schlossneubaus ausgeführt, die noch fehlenden Quader anderweitig beigebracht. Die Maurerarbeiten leitet Maurermeister Schneller. Das Kranhaus (8 m Seitenlänge) errichtete der Oestricher Schreinermeister Josef Möhler aus massiven Eichenstämmen (Fachwerkkonstruktion), die mit Holzbrettern verschlagen wurden. Der Dachdeckermeister Weiß belegte den Kranausleger (Eichenholz) mit Bleiplatten und dichtete ihn mit Pech ab. Bereits am 4. August 1745 wurde der Kran nach 16 Monaten Bauzeit in Betrieb genommen und stellte erst nach 181 Jahren 1926 seine Arbeit ein.
Der Oestricher Kran ist vom Typ her ein hölzerner, landgestützter Turm-Tretkran. Die Seilwinde des Krans, montiert auf der horizontalen Antriebsachse der beiden Lauf- oder Treträdern, wurde von Kranenknechten (Radläufern, Windenknechten), meist zwei pro Rad, angetrieben. Nach der Überlieferung wurden hier Gefangene eingesetzt, sonst waren seit dem Mittelalter und auch später auf Baustellen und in Tretkränen gutbezahlte, professionelle Tretknechte im Akkord vor Ort. Bei besonders schweren Lasten (maximal 2,5 Tonnen) griffen zusätzliche Kranarbeiter in die Speichen der Antriebsräder. Eine Arretiervorrichtung für die Räder bei anhängender Last gab es nicht (erhöhte Unfallgefahr). Das drehbare Kegeldach mit dem Kranausleger ist mit der zentralen, vertikalen Kransäule (Kaiserbaum) fest verbunden. An ihr ist unterhalb der Tretradachse der horizontale Drehbalken fest montiert, mittels dessen zwei bis vier Kranknechte den Ausleger mit der Last bewegten. Der Kran wurde von einem Kranmeister geleitet, der nach einer genauen Gebührenliste für die Verladung taxierte. Er befehligte die Arbeiter und zahlte auch den Akkordlohn der Kranarbeiter - sofern keine Gefangene - für ihre oft gefährliche Tätigkeit.
Der Bau und Betrieb eines Krans war bis ins 19. Jahrhundert ein erzbischöfliches Privileg. Es sorgte dafür, dass nur wenige Städte im Rheingau und in anderen deutschen Gegenden das Recht hatten, eine solche Verladevorrichtung zu betreiben, so alle Orte mit Stapelrecht wie Köln, Trier, Würzburg, Bingen, Stade, Hamburg etc. Im Rheingau des 15. Jahrhunderts waren lediglich Eltville, Rüdesheim und Lorch mit diesem Privileg versehen.
Das Wahrzeichen der Stadt Oestrich-Winkel ist heute neben dem Rheinkran in Bingen und dem "Alten Krahnen" (Steinkran) zu Andernach der letzte historische Verladekran für Wein und andere Güter am Rheinufer und steht unter Denkmalschutz.
Weitere Tretkräne können in Stade (Holz 1661-1878/Rekonstruktion 1977), Lüneburg (Holz 1797, Vorgänger 1379-1795), Trier (zwei Steinkräne, 1413 und 1774), Würzburg (Stein, 1773) bewundert werden.
Der Grundstein für das Niederwalddenkmal wurde am 16. September 1877 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. gelegt. Der Versuch, das nötige Geld durch Spenden aufzubringen, brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich. So wurde das nach den Entwürfen des Bildhauers Johannes Schilling und des Architekten Karl Weißbach 1883 fertiggestellte Denkmal erst am 28. September 1883 eingeweiht. Mit dem 38 m hohen Monument und der 10,5 m hohen Statue der Germania symbolisierte man die "Wacht am Rhein" und erinnerte an die Gründung des neuen Deutschen Reiches unmittelbar nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71). Unterhalb des großen Hauptreliefs, auf welchem Kaiser Wilhelm I. zusammen mit Fürsten, Herzogen und einigen Soldaten dargestellt ist, ist der Text des Liedes "Wacht am Rhein" von Max Schneckenburger angebracht. Bei der Einweihung gab es eine Panne. Die Geschützbedienung der Haubitze, die nach der Einweihung Salut schießen sollte, verstand eine Geste ihres Offiziers falsch. So ertönte der erste Schuss mitten in der Rede des Kaisers woraufhin die Rheinschiffe im Tal nun ihrerseits Salut feuerten. Auf dem mittleren Absatz des Treppenabgangs rund um den Denkmalssockel ist der Wortlaut der Rede des Kaisers eingemeißelt, welche durch die Salutschüsse unsanft unterbrochen wurde.
Die Einweihung war zugleich Schauplatz eines fehlgeschlagenen Attentats auf Wilhelm I. durch August Reinsdorf, Emil Küchler u.a.
Das patriotische Denkmal zieht seither sehr viele Touristen an. Ab 1885 fuhr eine Zahnradbahn von Rüdesheim hinauf zum Niederwald, sie wurde jedoch 1939 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Seit 1954 führt stattdessen eine Kabinenseilbahn zu dem hoch über der Stadt liegenden Denkmal.

